Recap / Nachhaltig(er) Leben – Julia’s Erfahrungen

Fair Fashion, Biolebensmittel, Achtsamkeit, Naturkosmetik, nachhaltig Leben… was hat sich seit unserem Fair Fashion Manifest getan?

Im ersten Teil unserer Recap haben wir zusammengefasst, wie sich die Inhalte auf Nicetohave Mag in den letzten zwei Jahren verändert haben. Von Fast zu Fair und Slow Fashion. Von großen Ketten zu inhabergeführten Labels. Und überhaupt: Wir verstehen uns nun als Sustainable Lifestyle Bloggerinnen.  Was aber unser Blogmotto Green, fair und fun! für unsere persönliche Lebensführung bedeutet, unsere Ups und Downs auf dem Weg zu einem nachhaltigeren Lebensstil und was wir in Zukunft noch besser machen können und wollen, verraten wir in zwei weiteren Beiträgen.

Ich, Julia, starte: Wir Frauen tendieren dazu unsere Leistungen unter den Scheffel zu stellen. Doch zu verkünden, ich würde nun nachhaltig leben –  das wäre eine Übertreibung! Was ich aber innerhalb der letzten zwei Jahre geschafft habe: Ich konsumiere nachhaltiger. Dekliniere ich doch mal durch, was schon richtig gut läuft und wo es noch an Bedacht und Engagement mangelt:

1 mit Sternchen bei Mode & Kosmetik

In meinen eigenen Kleiderschrank ziehen weitestgehend nur noch fair und möglichst auch ökologisch produzierte Neuzugänge oder aber Traumteile aus zweiter Hand ein. Vorallem aber überlege ich doppelt und dreifach, ob ich etwas „brauche“. Handelt es sich bei dem Kleidungsstück, nach dem ich lechze, um ein Trendteil oder um einen zeitlosen Klassiker? Schaffe ich #30wears? Auch wenn mir Trends noch immer Freude bereiten, nehme ich mir länger Zeit diese zu adaptieren. So verpasse ich den Kauf von One-Season-Musthaves oft schlichtweg. Stattdessen beschäftige ich mich dann lieber online damit und zeige euch faire und ökologische Alternativen zu den Highstreet Labels auf. Insbesondere die Sicherheit der Textilarbeiter*Innen und die faire Entlohnung ihrer Arbeitskraft ist mir wichtig, weswegen ich mit FairfashionOOTD über einen weiteren Kanal Bewusstsein und Bekanntheit für faire Mode (Labels) schaffe. Bei Neukäufen sind für mich die Auswirkungen deren Produktion auf Mensch und Umwelt genauso wichtige Entscheidungenfaktoren, wie Preis und Performance.

Beim Kauf von Schlüppis und Socken allerdings bin ich gelegentlich vergesslich: Da fällt mir am Nachmittag ein, dass ich für den nächsten Tag eine neue Feinstrumpfhose benötige oder im Urlaubsgepäck fehlt das wohl wichtigste Wechselkleidungsstück. Der Spontankauf beim Textilschweden lässt sich dann oft nicht umgehen.

In meinem Kosmetikrepertoire hat Naturkosmetik fast alle konventionellen Produkte ersetzt. Nur selten schaue ich noch abseits von Naturkosmetikmarken, z.B.bei Sonnenschutz.

Lebensstil – eine wechselhafte Bilanz

In den Lebensbereichen Wohnen, Ernährung und Reisen sieht meine Bilanz in Dingen Nachhaltigkeit wechselhaft aus. Hier fällt es mir häufig schwerer, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das liegt auch daran, dass ich diese nicht allein treffe.

Trotzdem gibt es Erfolge zu vermelden: Das Gedankenspiel eines eigenen Autos ist einem Carsharingvertrag und einer Bahncard50 gewichen. Die 12 Kilometer zur Arbeit fahre ich mit den Öffentlichen – ein paar Mal in diesem Sommer sogar mit dem Rad. Nur gelegentlich drängt sich der Traum vom eigenen Camper auf. Schnell wird mir dann aber wieder bewusst, dass mit Blick auf unser Geldkonto der nächste Urlaub auf gemieteten, vier Rädern (z.B. über Paul Camper) viel nachhaltiger ist, als der Besitz eines Campingmobils. Verschlägt mich die Wanderlust oder der Job doch weit außerhalb annehmbarer Bahnverbindungen, betreibe ich seit meiner letzten Flugreise zumindest über CO2mpensio Ablasshandel und kompensiere meine Emissionen mit dem Pflanzen von Bäumen.

Beim Wocheneinkauf habe ich die Präferenz von biologisch produzierten, möglichst wenig verarbeiteten und vegetarischen Lebensmitteln durchgesetzt. Allerdings: Seit dem letzten Jahr haben wir auch den Lieferdienst (z.B. von Rewe oder Edeka) als Zeit, Kraft, Nerven und Geld sparende Alternative zum Einkauf mit Kind entdeckt. Die Lieferungen kommen in unzähligen Papiertüten – ein Pfand- oder Rückgabesystem dafür gibt es (noch) nicht. Und überhaupt nehme ich mit diesem Service Minuspunkte in meiner persönlichen Nachhaltigkeitsbilanz in Kauf: Der nächste Supermarkt ist über die Straße, ein Auto müssten wir selbst nicht benutzen. Der verpackungslose und regionale Bauern unterstützende Markteinkauf ist seitdem geringer geworden und ob die Arbeitsbedingungen für die Lieferanten so knorke sind? Ich bezweifel es.

Und da sind wir auch schon mitten drin im Geständnis ökologischer Sünden: Während Pauline in Dingen #plasticfree tolle Fortschritte macht, ist dieses ein Thema, zu dem ich mich nicht so recht aufraffen kann (hier mehr dazu). Schwören viele auf die Machbarkeit mit Kind, erscheint mir die Umstellung zu aufwendig. Einfach inconvenient! Wenigsten: Thermosbecher, wiederbefüllbare Wasserflaschen und Jutebetel begleiten mich eher häufiger als selten.

Und dann das Thema Wohnen und Energieverbrauch: Zu unserer großen, heizaufwendigen (apropos, der Wechsel zum Ökostromanbieter steht noch immer auf meiner To Do Liste!) Wohnung pflege ich inzwischen eine Hass-Liebe und immer wieder liebäugel ich mit alternativen Wohnkonzepten, wie Tiny und Co-Housing. Was und ob wir jedoch realisieren wird sich zeigen. Bei Möbeln und Einrichtung schaue ich meist zuerst bei Ebaykleinanzeigen vorbei oder abseits des Möbelschweden bei kleineren Unternehmen.

Trotz Verzicht und Consciousness – mehr Öko-Egoistin denn Alternative-Altruistin

Zusammengefasst: Nachhaltigkeit durchdringt inzwischen alle meine Lebensbereiche. Dennoch bleibe ich bei nicht wenigen Konsum- und Alltagsentscheidungen auf der theoretischen Ebene.

Trotz Verzicht und Consciousness muss ich mir auch eingestehen, dass ich mehr Öko-Egoist denn Alternativer-Altruist bin. Nachhaltiger konsumieren und leben tue ich oft dann, wenn etwas für mich rausspringt. Gesundheitliche Vorteile zum Beispiel (vegan und bio essen). Geld sparen (Licht aus und Thermosbecher). Oder, wenn die ökologischere Variante besonders bequem ist (Reisen in der Region). Das ist für den Anfang ok. Und ich merke: Meine Motivation erstarkt, auch um des Wohl zukünftiger Generationen Willen nach nachhaltigerem Wirtschaften und Leben zu streben. Als ich las, dass die diesjährige Weltklimakonferenz in Deutschland stattfindet, befand ich zum ersten Mal seit Langem: Für die Erreichung der Sustainability Development Goals würde ich auf die Straße gehen. Das wäre doch ein nächster Schritt. Sehen wir uns in Bonn?!

Im nächsten und letzten Recap Beitrag rekapituliert Pauline. Tbc.