Life of a mom / Das mit dem Spielplatzdiktat

„Er ist total müde.“ Auch mir wurde dieser Satz, den kürzlich Edition F als Entschuldigung für rüpelhaftes Kinderbenehmen erklärte, schon entgegengebracht: Klein Kalle kletterte munter und sich – wie ich als empörte Mutter seinen Gesichtsausdruck interpretiere – diebisch freuend die Leiter zur Rutsche hoch. Indes saß Lotte fassungslos heulend auf dem Boden, auf den der feiste Junge sie mit Ziehen und Schieben kurz zuvor befördert hat.

Statt dem Hipstervater mit ausgetretenen New Balance und Fischermütze im Sommer die Meinung zu geigen, fühlte ICH mich peinlich berührt und nuschlte nur: „Kennt man.“

Bäm, 1:0 für Spielplatzdiktator Kalle.

Bei jedem Spielplatzbesuch trifft man auf mindestens ein Kind vom Schlag Kalle. Doch was tun, wenn der Spross „Opfer“ eines solchen Hansdampf wird?

Das eigene Kind zum Rachefeldzug anstiften oder – im Gegenteil – wohlmöglich zu mehr Vorsicht, gar Demut raten? Worte walten lassen und dem Stänkerer eine Predigt halten?

Überraschend: Eltern, deren Kind der Krawallkönig (oder Königin) ist, sind auch ratlos, wie sie sich zu verhalten haben – so das Ergebnis einer investigativen Recherche zum Thema während der vergangenen KiTa-Freizeit. Das geschädigte Kind auffordern, dem Querschläger eine Lektion zu erteilen? Sich den Mund fusselig reden, dabei das akute (Phase) oder latente (Wesen) Temperament befeuern und eine noch größere Szene veranstalten?

Müdigkeit zu attestieren scheint tatsächlich ein geeigneter Ausweg: Niemand hat so richtig Schuld. Stattdessen wird an die Empathie der anderen Eltern appelliert à la Kennt-ihr-doch-auch.

Wünschenswerter: Eine Entschuldigung des tyrannischen Miststücks – zumindest die Aufforderung zu einer solchen durch die Eltern.

Nun habe ich leicht reden, denn Lotte kommt gerade erst in die Phase der „terrible twos“. Die Trotzphase, in der das liebe Baby endgültig zum Janus köpfigen Kleinkind wird: Eben quakt es noch im Babysprech und schiebt stolz den Miniatureinkaufswagen durch den Supermarkt; an der Kasse dann mutiert das Zuckermädchen ob des ’nein‘ zur Quängelware zu Lottzilla und wirft sich schreiend auf den Boden.

Vorstellbar, was passieren könnte, erdreistete sich ein Altersgenosse an der Schaukel vorzudrängeln oder ein Sandförmchen zu stibitzen.

Wie ich dann mit damit umgehen werden, wenn Charlotte also zum Haudegen wird? Zu den oben genannten Optionen gäbe es noch diese: Schnell weggucken, nichts gesehen haben und sich das KiTa-Konzept zu eigen machen nach dem nur in „gefährlichen“ Situationen eingegriffen wird.

NicetohaveMag_Mommy_Spielplatzdiktat

Nicetohave’s für den Spielplatzbesuch

Mother Jumper, 63 Euro – Zugegeben, wer ein Kind auf den Spielplatz begleitet, hat wohl irgendwelche Aktien daran. Ob es sich nun um Oma, Tagesmutter, Babysitter, große Schwester, Patentante oder eben Mutter handelt, wird dem aufmerksamen Beobachter meist auch ohne auffällige Deklaration klar. Anders als Célfie oder Homiès kann man diesen Schriftzug aber auch ganz nicht-ironisch verstehen – als stolzes Statement nämlich. Dank der bezaubernden Ari von Primer&Lacquer habe ich den Pullover mit Print entdeckt – und außerdem mit Selfish Mother einen herrlich mal mehr, mal weniger ironischen Mamablog.

Skateboard über Smallabel, 110 Euro – They see me rollin’… Nun ja, mich wohl nicht. Aber Charlotte. Die wird – nachdem sie mit noch nicht mal zwei Jahren Meisterin des Laufrads ist – demnächst sicher ihre ersten Rollversuche auf einem solchen Miniskateboard machen. Recht so, ich unternahm den Versuch zu einer coolen Skaterin zu werden erst lange nach Avril Lavine’s „Sk8er Boi“. Kläglich scheiterte ich.

Strohhut von Hundred Pieces by Smallabel, 45 Euro – Gut mit Hut geschützt gegen die Sonne. Auch wenn es in diesem Sommer an kaum mehr als zwei Tagen akute Sonnenbrandgefahr gab, Kopfbedeckung für Kinder ist immer eine gute Idee. Schützt im Fall voller UV-Ladung vor Sonnenstich!

Smartphone Alarm von Ringly, 180 Euro – Der Herzmann scheltet mich, schiele ich auf dem Spielplatz auf mein Smartphone. Tatsächlich ist der Anblick eines Elternteils verstörend, welches eifrig auf seinem Telefon tippt, während in zwei Metern Entfernung das Kind unbemerkt zum Tyrann wird (s.o.) oder von der Schaukel fällt. Der Ring benachrichtigt den Träger über Vibrationen über (wichtige) Nachrichten. Keine Ausreden mehr das Telefon ständig in der Hand halten zu müssen!

Seesack von Marin et Marine, 80 Euro – Sandspielzeug, Snacks, Wickelutensilien, Handdesinfektion, das Lieblingskuscheltier… der Rucksack des Berliner Labels ist einer mit Platz für alles. Passgenau auch, um ihn über den Schieber meines Buggys von Cybex zu hängen.

Sandförmchen aus Biokunststoff, ab 1,50 Euro – Stabil spielen lässt es sich mit Spielstabil, denn diese Sandformen sind unkaputtbar. Möglicherweise ist der Bestand deshalb nach jedem Spielplatzbesuch dezimiert. Die Formen aus der Bioline werden zu 70 Prozent aus Plastik auf Basis nachwachsender Rohstoffen hergestellt – wir wollen unsere Enkel ja auch noch spielen sehen.

Voelkel Green Smoothie, 2,60 Euro – Kekse sind natürlich immer für die kleinen Krümelmonster mit von der Partie. Ein wenig Power für Mama muss auch sein – wir schubsen immerhin geduldig das schaukelnde Kind an und assistieren beim Umgraben des Sandkastens. Gilt das schon als Workout?