How to / Endlich auf wirklichen Ökostrom wechseln – ANZEIGE

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Im Pool der Ökostromanbieter schwimmen viele. Aber bei nicht allen fördert euer Mehrbeitrag auch die Wende zu erneuerbaren Energien. Wie erkennt man wirkliche Ökostromanbieter?

Wisst ihr noch, im letzten Jahr bin ich auf Ökostrom gewechselt. Ich hatte mich auf die Werbung großer Greenfluencer verlassen und musste dann wenige Stunden nach dem Wechsel lesen, dass der Konzern hinter dem Anbieter bereits in Verkaufsgesprächen mit einem großen Ölkonzern stehe.

Nun sieht es so aus, als fände ein Verkauf statt. Nicht an einen Ölkonzern, aber an Förderer von Kohle- und Gaskraftwerken. Dass das auch einen Paradigmenwechsel bei dem Stromanbieter selbst mit sich führen wird, wird verneint. Dennoch: Ich habe ein ungutes Gefühl.

Ein Pool, viele schwimmer

Mit dem Ökostrom ist es ohnehin so eine Sache, die mir als Verbraucherin lange etwas suspekt war. Man kauft Ökostrom, aber das was aus der Steckdose kommt, entspringt nicht zwangsläufig auch erneuerbaren Energien. Denn in das Stromnetz speisen sowohl Ökostromanbieter ein, als auch Förderer fossiler Energieträger. Zur Veranschaulichung spricht man vom Stromsee, in den der Strom aus vielen Energiequellen (fossilen und erneuerbaren) münden, die sich wiederum zu einem Strommix vereinen. Tatsächlich „sucht“ sich Strom aber den kürzesten Weg und so ist es nicht unwahrscheinlich, dass „mein“ Strom aus dem örtlichen, mit Steinkohle betriebenen Kraftwerk kommt.

Jedenfalls: Ob der Strom, der nun gerade mein Laptop am Laufen hält, grün ist oder nicht, kann ich weder beeinflussen noch genau nachvollziehen. Ich kann aber wählen, welche Stromquelle ich mit meinem monatlichen Abschlag unterstütze.

Nettostromerzeugung in Deutschland im ersten Halbjahr 2019, Datenquelle: ISE Fraunhofer, Grafik: Polarstern Energie

Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom

Doch welche Quelle ist unterstützenswert? Die Umweltorganisation Robin Wood hat Kriterien für wirkliche Ökostromanbieter aufgestellt und verschiedene Marktanbieter danach beurteilt. Demnach seien lediglich zehn von über 1.200 überprüften Anbietern empfehlenswert. Bezieht ihr von diesen, könnt ihr euch sicher sein, weder direkt noch indirekt die Wende von fossilen zu erneuerbaren Energien zu behindern. Hier mal die wichtigsten Checkpunkte, auf die ihr euren Ökostromanbieter überprüfen könnt:

  • Der Stromanbieter (oder Vermarkter) bezieht ausschließlich von Produzenten von erneuerbaren Energien, wie Wind-, Wasser- oder Solarkraft. Das schließt schon einmal diese Anbieter aus, die lediglich einen Ökostromtarif neben einer Reihe von konventionellen in ihrem Portfolio haben. Ich habe früher einen solchen Ökotstromtarif von meinem örtlichen Stadtwerk bezogen.
  • Der Anbieter unterhält auch keine konventionellen Energieanlagen und ist nicht mit solchen Unternehmen verbandelt, die es tun. Insbesondere solche eigentumsrechtlichen Verflechtung werden euch aber sicher nicht in der Werbebroschüre offen und verständlich kommuniziert. Hier liegt auch der Ursprung meines nun aufgekommenen Unbehagens hinsichtlich des Ökostomanbieters, den ich bisher unterstützt habe.
  • Der Anbieter fördert direkt die Energiewende. Zum Beispiel, indem Strom von jungen Anlagen (maximal 10 Jahre alt) bezogen wird oder über transparente Investitionsprogramme zum Neubau von erneuerbaren Energieanlagen, zur Technologieförderung, Bildungsarbeit usw., in die ein fester Centbetrag pro verkaufter Kilowattstunde Strom fließt.

Wirklich Ökostrom beziehen in unter 10 Minuten

Weil es genügend echt-engagierte Ökostromanbieter auf dem deutschen Markt gibt und der Wechsel keine 10 Minuten dauert – für mich genau genommen 9 Minuten 40 Sekunden – habe ich nun gewechselt. Ab dem ersten März erhalte ich Ökostrom von Polarstern. Der Anbieter mit Sitz in München legt sämtliche Daten zu WER verdient WIE offen (hier nachzulesen). Den Strom nimmt Polarstern dem Laufwasserkraftwerk Feldkirchen ab. Pro verkaufter Kilowattstunde investiert der Anbieter 1 Cent in Projekte zur Förderung der Energiewende. Bei den von mir für unseren Haushalt großzügig kalkulierten 3.850 Kilowattstunden im Jahr sind das 38,50 Euro, die beispielsweise in Mieterstromprojekte und den Bau von Solaranlagen fließen.

Weil Energiewende aber ein globales Ziel ist, muss sich eben auch überall auf der Welt erneuerbaren Energien zugewendet werden, findet Polarstern und legt noch einmal 20 Euro pro Kund*in für Energiewende-Initiativen in Entwicklungsländern drauf. Familien in Kambodscha und Mali wird so Zugang zu sauberer Energie ermöglich.

round-up

Ungefähr 10 Euro zahle ich seit dem Wechsel vom örtlichen Stromversorger zu einem Ökostromanbieter mehr. Diese 10 Euro sind ein Überzeugungsbeitrag. Denn weder leuchten meine Lampen heller, noch ist mein Handy schneller aufgeladen und im Zweifelsfall wurde der Strom, der aus meiner Steckdose fließt, im nächsten Kohlekraftwerk produziert (siehe oben „Stromsee“). 120 Euro im Jahr sind kein unbeträchtlicher Betrag, den ich mehr aufwende. Umso wichtiger ist mir, dass dieser Mehrbetrag auch wirklich ein Investment in die Zukunft ist.

Einmal einen Vertrag abgeschlossen, ist der Stromkonsum für gewöhnlich keine sonderlich emotionale Angelegenheit mehr. (Es sei denn der kalkulierte Verbrauch wurde so exorbitant überschritten, dass eine saftige Nachzahlung gefordert wird.) Monatliche Abbuchungen, eine Kostenabrechnung im Jahr, Ende der Kommunikation. Polarstern verspricht Involvement: Ein Kennenlernen bei der Führung durchs Wasserkraftwerk, gemeinsames Fluss-Clean-Up oder ein unplugged Konzert bei Kerzenschein. Das finde ich nett und freue mich nun  auch Teil von Team #wirklichökostrom zu sein!

Es wundert mich, dass mich die Herkunft meines Stroms lange Zeit weniger beschäftigt hat, als die meines Freiland-Frühstück-Eis und des Fair-Fashion-Tshirts, das ich trage. Vermutlich ist das so, weil Strom abstrakt ist – für mich als Physik-Null sowieso – und wortwörtlich weniger greifbar, als anfassbare Güter. Strom trage ich nicht auf meiner Haut, esse ihn nicht und komme nicht direkt mit ihm Kontakt. Die Umweltfolgen seiner Produktion kann ich langfristig aber sehr wohl (gesundheitlich) spüren.