Modepreis Hannover / Newcomer Designer #1

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Bildcredits: Uwe Dillenberg (NP)

Ich liebe Präsentationen von Abschlusskollektionen. Zum Einen sieht man innerhalb einer Stunde zig Kollektionen ohne sich auch nur einen Meter von seinem Platz wegbewegen zu müssen (Fashionweek-Fußwehopfer, hallo!). Zum Anderen herrscht diese Aufregung vor der Reifeprüfung und eine noch ungebremste Kreativität. Kommerzielle Entwürfe bekommt man nur zu Gesicht, wenn die angehenden Modeschaffenden es so möchten – nicht weil die Einkäufer es fordern.

In Hannover finden diese Veranstaltungen gleich drei Mal jährlich statt. Nach der M3 Werkschau und den Fahmoda Fashion Finals, präsentierten am vergangenen Wochenende auch 19 Modesign-Studierende der Hochschule Hannover ihre Abschlusskollektionen.

Die 19 präsentierten Kollektionen spiegelten die gesamte Bandbreite des Designkönnens der Hochschulabsolventen wider: Von minimalistischen Schnitten in Monochrom, Erd- und Pastelltönen über aufwendige Prints, transparente Materialien und Neonfarben hin zu Kleidern mit Skulpturcharakter. Synthetische Materialien wie Neopren, Schaumstoff oder Kunstfell sowie Naturstoffe aus Seide, Pelz und Baumwolle kamen zum Einsatz. Experimentelles Design, wie in einer Kunstausstellung, war ebenso vertreten wie kommerzielle Mode, die vom Laufsteg direkt in die Läden wandern könnte.

Hoffentlich beibehalten werden die angehenden Modeschöpfenden die Diversität bei der Wahl ihrer Models: Auf dem Laufsteg zu sehen war nicht nur Größe Null, wie sie über so manchen Laufsteg der MBFW stakste. Neben zierlich Hochgewachsenen, liefen auch Mannequins mit untypischer Modelfigur und Damen mit bereits silber-ergrautem Haar.

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Julia als rasende Reporterin für die Neue Presse (Foto: Uwe Dillenberg/NP)

Begleitet wird der Modepreis traditionell von einer Ausstellung und dem Austausch zwischen Ehemaligen der Hochschule und Modeinteressierten im tschechischen Pavillion auf dem ehemaligen Expogelände.

Dort traf ich auch Aleks Kurkowski. Die Absolventin der Hochschule Hannover gründete 2012 ihr eigenes Label und zeigte in der Vorwoche neben etablierten Jungdesignern und Traditionsmarken ihre Kollektion während der Berliner Fashionweek.

„Aleks Kurkowski schert sich kein Stück um das, was die Masse von einer Frühlings-/Sommerkollektion erwartet“, wertet Styleranking und titelt: „Mode für die Überlebenden einer Zombie-Apocalypse“. Das Label Aleks Kurkowski steht für ökologische Mode – ohne Reformhausflair: Der Look ist kantig. Die Fasern der Stoffe sind aus kontrolliert ökologischem Anbau, die Lederelemente werden pflanzlich mit Rhababerextrakt gegerbt. Tatsächlich sucht man Flatterstoff und Blumenprint vergeblich. Aleks‘ Kollektion ist tiefschwarz, wie alle Teile in ihrem Online-Shop. Klug eigentlich, denn irgendwie gilt doch immer: Black is the new black. Und welche Mode könnte nachhaltiger sein, als die, die nie aus der Mode kommt.

Ich jedenfalls habe vor Ort gleich eine asymmetrisch geknöpfte Bluse und Shorts mit Lederelement anprobiert – und mich VERLIEBT. Die angenehm zu tragenden Teile sind absolute Figurschmeichler. Auf Instagram seht ihr den Look.