Let’s talk about / Alexander Wang X h&m, h&m X Kinderarbeit?

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Seit gestern mischt ein Video der Bloggerrüpel und Fashionistos – Carl Jakob Haupt und David Kurt Karl Roth – aka Dandy Diary die für gewöhnlich sanft plätschernde Beziehung zwischen Modebloggenden und Fastfashion-Konzernen – allen voran h&m und Töchter – auf:

In einem 1:18-minütigen Video werden Kinder bei der Näharbeit in einer Textilproduktionsstätte in Indien gezeigt. Zwar sagt Herr Haupt im Interview mit Journelles aus, zum Schutz der dort Arbeitenden den produzierenden Konzern nicht zu nennen. Allerdings sieht man in einer Sequenz des Clips, wie in ein Bekleidungsstück ein Schild eingenäht wird, welches dieses als Teil der Kollaboration des Designers Alexander Wang mit dem Schweden auszeichnet.

Auf Dandy Diary’s Facebook-Fanpage, Journelles und den sozialen Medien fachsimpelt man inzwischen eifrig über die Echtheit der Aufnahmen. So sollen die Schilder der Designerkollaboration schwarz sein und natürlich ist auch die Aussage des Dandy‘ – Schutz der Quelle – nichtig, wenn im Clip doch der produzierende Konzern suggeriert wird.

Die Dandies sind für Award verdächtige PR-Coups bekannt und so ist es nicht verwunderlich, dass das provokative Video – gegen das h&m nun juristisch vorgeht – zum Verkaufsstart der aktuellen Designerkollaboration veröffentlicht wird. In Anbetracht der sehr gedämpften Medienreaktionen auf die Alexander Wang Kollektion behaupten einige Stimmen sogar, dass die Herren Haupt und Roth im Auftrag von h&m selbst einen Skandal lostreten würden.

An dieser Stelle ein großer Dank an Jessica von Journelles, die in einem kurzen Statement am Rande dieser Debatte auch ihre modische Meinung preisgab: In diesem Jahr ist mein Interesse so schwindend gering, weil ich die Kollektion von Alexander Wang schlichtweg nicht mag und er sich mit seinem plakativen WANG-Geprolle in meinen Augen keinen Gefallen tut.“

Tatsächlich war ich schon überzeugt nun gänzlich meiner bornierten Anti-Haltung gegenüber futuristisch-avantgardistischen Modekreationen erlegen zu sein. Konnte ich schließlich den Hype um die Kollaboration, den es dann doch auf so manch einem modemeinungsführendem Blog gab, nicht verstehen. Ernsthaft, wenn ich in einen Boxkampf ziehe, verlasse ich mich doch wohl auf die Expertise von einschlägigen Equipmentherstellern und nicht auf Boxhandschuhe eines Designer-Highstreetlabel-Verschnitts.

Aber zurück zum eigentlichen Thema, denn in der Diskussion ist Alexander Wang eigentlich kaum mehr als ein ziviles Opfer. Selbst h&m steht nur stellvertretend für die Gesamtheit großer Textilkonzerne.

Im Kern des Debattierens sollte es um die Konsequenzen bzw. Begleiterscheinungen gehen, die daraus folgen, dass für uns als Konsumenten im Wochentakt neue Modekollektionen zu Schleuderpreisen entstehen. Mit dem 5 Euro Tshirt verhält es sich nicht anders als mit dem 5 Euro Hähnchen: Bei einem solchen Nicht-Wert wird mindestens ein Produktionsteilnehmer zu unfair behandelt und schuftet zu ungerechten Bedingungen – möglicherweise auch Kinder.

Das von den Dandies publizierte Video mag am Ende nicht legal sein, aber es ist legitim. Denn wir Verbraucher der ersten Welt vergessen schnell und lernen langsam. Wir müssen erinnert werden – wieder und wieder! Um zu begreifen, dass aus großer Kaufkraft, große Verantwortung folgt. Diese Verantwortung endet nicht beim mit „Conscious Collection“ deklarierten T-Shirt.

Was also bleibt zu tun? Der nahe liegende Rat „Kauft weniger!“ verpufft schnell und erscheint mir für Modebegeisterte (und manchmal -opfer) höchst realitätsfern. Second-Hand ist ein Anfang. Seit einiger Zeit mache ich es mir zu Regel möglichst mindestens ein Kleidungsstück in meinem täglichen Outfit aus zweiter Hand zu beziehen. Plattformen wie Videdressing, Mädchenflomarkt, Kleiderkreisel, Ebay Kleinanzeigen und Flomärkte machen es möglich ständig und in Fülle aktuelle Ware zu tragen und den Konzernen dennoch ein wenig Kaufkraft aus den Segeln zu nehmen. Der Vintagetrend kommt dieser Denke außerdem entgegen. Und: Statt sich darüber aufzuregen, dass den Modeschöpfenden wenig Neues einzufallen scheint und sich stattdessen vergangene Trends in immer kürzeren Schleifen wiederholen – Fransen, duh ?! – freuen wir uns darüber, dass wir uns getrost an Mama’s Kleiderschrank bedienen können, statt Neuware kaufen zu müssen.

Ein Schlusswort mag mir nicht so recht einfallen. Gut so, denn die Diskussion hat schließlich gerade erst begonnen.