Business / Wie man aussteigt und ein Café eröffnet

Titel

Eigentlich wollte ich mit Tomke, Besitzerin des Ladencafés in Hannover-Linden, ein Interview über den Traum vom eigenen Café führen. Über die Motive, die doch oft ähnlich sind – mit Menschen arbeiten, des Einkommens eigene HerrIn sein, Talent und Freude am Backen und Kochen. Ich wollte hinterfragen ob tatsächlich wer nichts wird, Wirt wird. Ich wollte über die Do’s und Dont’s, die Hochs und Tiefs schreiben, die einer Cafébesitzerin begegnen.

Erfahren habe ich stattdessen vor allem etwas über das Neustarten, gewissermaßen das Aus- und Wiedereinsteigen, über Mut, über Schwebe und Schwerelosigkeit und Lebensglück.

Tomke hat zehn Jahre in Hamburg gelebt, Grafikdesign studiert und fünf Jahre im Bereich Package Design gearbeitet: Mit den Verpackungen, die sie designte weckte sie Kundenwünsche – nach mehr. Mehr Produkt und mehr Verpackungsmüll. Sie realisierte: Mit ihren Vorstellungen von Nachhaltigkeit war dieser Job nicht zu vereinen. Sie kündigte.

Du hast gekündigt. Ohne einen Job in Aussicht?!

Diese Reaktion bekam ich häufig. Man ist Projektionsfläche für die Ängste anderer. „Hast du dir das gut überlegt?“, wurde ich gefragt. Das verunsichert. Mich hat es gleichzeitig aber auch angespornt. Ich hatte tolle Kollegen, einen sicheren Arbeitsplatz und verdiente gut. Das hatte jedoch auch seinen Preis. Zu bleiben hätte auch gehießen, innerlich zu vertrocknen.

Dennoch stimmt natürlich: Zu wissen was du nicht willst, ist super. Aber nicht zu wissen, wo du dich in fünf Jahren siehst – das ist ein Problem.

Und wie hast du das Problem gelöst?

Ich habe mich coachen lassen. Bei den Gesprächen entwickelte sich ein Zukunftsbild, das pures Glück war: Ein eigener Laden. Wenn du keine Vision hast, fallen Entscheidungen schwerer. Ich aber hatte nun ein Bild auf das ich hinarbeiten konnte. Eine erste Entscheidung, die nicht einfach war, hieß: Wegziehen aus Hamburg. Die Bedingungen, wie Preise für die Ladenmiete, wären das Ende meines Traums gewesen. Ich wusste, bliebe ich in Hamburg, würde mich das System einholen: Das Arbeitsamt hätte sich bald gemeldet und mich zu einem Job in meinem alten Beruf gedrängt. Um Altes abzuwerfen – mich quasi auf links zu drehen – bin ich eine Zeit lang durch Kanada gereist.

Und dort hattest du dann die Eingebung?

Die Eingebung kam in Form eines Telefonats mit meinen Eltern daher. Seit zehn Jahren vertreiben sie hochwertige Kräuter, Öle und Seifen auf Märkten im Raum Hannover. Nun wurde ihnen ein Laden im Hannover Stadtteil Linden angeboten. Dieser Schritt, vom ausschließlichen Marktverkauf zu einer zusätzlichen beständigen Präsenz, fand ich toll. Da die Ladenimmobilie nicht direkt an einer Laufmeile gelegen ist, hatte ich als zusätzlichen Besuchsanreiz die Idee ein Café zu integrieren. Meinen Eltern gefiel der Einfall. So stand zu Jahresanfang die Idee eines Ladens und zum Jahresende stand ich tatsächlich in einem.

Obwohl du schlussendlich Teil deines Familienunternehmens geworden bist, finde ich deinen Weg sehr mutig. Schließlich bist du keine gelernte Gastronomin oder Einzelhandelskauffrau.

Ich hatte vor kurzem einen Gast, der wusste alles über das Führen eines Gastronomiebetriebes, weil er selbst in einem arbeitet. Weil er die Differenz von Einkaufs- und Verkaufspreis kannte, hat er sich seinen Traum, selbst ein Café zu eröffnen, nie erfüllt. Ich wusste hingegen nicht, was auf mich zukommt und habe mich getraut. Die Aufgaben kommen peu à peu, man räumt die Steine quasi auf dem Weg beiseite. Youtube-Tutorials, Literatur, Beratungsangebote und Gründerkurse waren erste Anlaufstellen für mich als Fachfremde. Ein Netzwerk ist wichtig. So habe ich von einem befreundeten Barista die Kaffeezubereitung gelernt. Vieles, wie Buchhaltung, erlerne ich aber auch „on the job“.

Selbstständig sein – das klingt so rosig-romantisch in deiner Geschichte…

Selbstständig zu sein heißt auch, Risiken in Kauf zu nehmen. Man hat zum Beispiel keinen regelmäßigen Gehaltsschein. Und auch Urlaub nehmen ist schwierig. Ich kann und brauche derzeit keine großen Sprünge zu machen, denn ich habe meinen eigenen Arbeitsplatz geschaffen. Zur Zeit gehe ich in die Breite, um später zu wachsen. Ich bin zufrieden und genieße, was ich habe.

Du bist für deinen Traum aus der großen Großstadt Hamburg wieder in die kleine Großstadt Hannover gezogen. Ein Verlust?

Ich habe mich in Hamburg sehr wohl gefühlt, aber in Hannover bin ich verwurzelt. Die Stadt macht hier nicht den Menschen, sondern die Menschen machen die Stadt. Hier ist man freundlich und gelassen. Die Stadt bietet Raum Visionen wahr werden zu lassen. Und manchmal heißt seiner Idee zu folgen, dem Anschein nach einen Schritt zurückzugehen.

Und was, wenn die Idee floppt?

Ich hab einen Rucksack an Erfahrungen und Kenntnissen auf dem Rücken – ich werde auf die Füße fallen. Ich habe gekündigt, weil ich keine Lust hatte, so weiter zu machen wie zuvor. Wir haben ja nur dieses eine Leben! Wenn man am Ende sagt „Ach, hätte ich doch mal!“ – das wäre schade.

Über Das Ladencafé

In dem gemütlichen Café kann man auf wenigen Quadratmetern nicht nur leckeren veganen Kuchen verzehren, sondern auch Vintageschätze und ausgewählte Produkte, wie Kräuter, Olivenöl, Seifen und mehr erwerben. Jeder Stuhl auf dem man Platz nimmt, sowie Kleinmöbeliges und Dekoration kann man mit nach Hause nehmen. Obendrauf gibt es neben der liebenswerten Tomke auch ihren Vater, der zu jedem Produkt eine Geschichte erzählen kann.

Hannoveraner aufgepasst! Das Ladencafé spendiert drei Mal eine Kaffee-Kuchen-Kombi. Dafür…

  1. Liket Nicetohave Mag und Das Ladencafé auf Facebook.
  2. Hinterlasst einen Kommentar mit „Fertig!“ unter dem Blogpost.

Teilgenommen werden kann bis zum 04. Juni 2014 um 12:00 Uhr. Die Gewinner lost Tomke aus und werden auf der Facebookseite von Nicetohave Mag und Das Ladencafé bekannt gegeben. TeilnehmerInnen unter 14 Jahren benötigen die Erlaubnis der Eltern. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen und der Gewinn kann nicht ausgezahlt werden.