Feelgood / Rollerderby

Rollerderby

Fotos: Maciej Michalczyk

Das erste Mal hörte ich von Rollerderby als ich eine Freundin aus Aupair-Zeiten im kanadischen Vancouver besuchte. Im coolsten Burrito-Laden der Stadt lagen Flyer aus für einen Bout der Terminal City Rollergirls: Ein leicht bekleidetes und in gleichem Maße demoliertes Pinupgirl auf Rollerskates kündigte einen Wettkampf für den kommenden Samstag an. Ich hatte nicht wirklich eine Idee worum es bei dieser Veranstaltung gehen würde, aber ich war angefixt. Mädels auf oldschool Rollschuhen, in knappen Höschen und reichlich Schutzausrüstung, sich gegenseitig anrempelnd (in Rollerderby-isch blocken) und mal mehr, mal weniger schnell im Kreis fahrend – GEIL!

Ellen Page als Bliss Cavender gab mir im Film Rollergirl den Rest: Ich wollte ein Rollergirl werden! Meine Lieblingsschauspielerin (Juno) besetzte dabei im Film nicht nur die Hauptrolle, sondern auch die Star-Position. Wortwörtlich! Denn die Spielerin mit dem Stern auf dem Helm – der Jammer – fährt beim Überrunden der Rollergirls des gegnerischen Teams die Punkte und bestenfalls den Sieg ein. Die vier Blocker auf dem Track haben die Aufgabe sowohl den eigenen Jammer bei seiner Aufgabe zu unterstützen als auch den gegnerischen Jammer am Vorankommen zu hindern.

Zurück in der Heimat und nach einigem Suchen wurde ich 2011 Teil des damals noch ganz muckelig-kleinen Teams der Demolition Derby Dolls in Hannover. Zwar schied ich schon nach einem Jahr als Spielerin aus – mit Babybauch hat selbst die härteste Nuss nichts auf dem Track verloren – meine ersten Bout-Erfahrungen konnte ich aber trotzdem sammeln. Oh girl, dieser Sport ist erfüllend und war für mich der perfekte Ich-bin-Teamplayerin-aber-allein-kämpfe-ich-auch-ganz-gut-Sport. Denn beim Rollerderby wird für ein gemeinsames Ziel gesprintet, gerempelt und gebrüllt und doch kann jede einzelne ganz entscheidend zum Sieg beitragen.

Was ich außerdem gelernt habe, in 11 Nicetoknows:

RollerderbyII

1. Helm ist hot! Anders als damals mit 12 auf Inlineskates, ist es beim Rollerderby gar nicht schick auf den Helm zu verzichten. Richtig so! Ganz nach dem Slogan des Helmherstellers Nutcase „I love my brain“ würde sich ein echtes Rollerderby Girl nie ohne auf den Track trauen.

2. Blaue-Flecken-Parade: Es ist schon etwas mannsweibisch, aber die Spuren des letzten Sturz oder Blocks sind die Trophäen eines Rollergirls. Grund zum Angeben gibt es aber erst ab Lila- bis Schwarzschattierungen und Untertassengröße – kann durchaus auch mal nur beim Training passieren.

3. Geregelt auf die 12! Nämlich eigentlich gar nicht, denn der Kopf ist ein absolutes Tabu. Anders als im Film gehören auch Schläge mit der Faust oder Tritte nicht zum Spiel und werden nach WFTDA Regelwerk geahndet. Aber: Rollerderby ist ein Vollkontaktsport – es wird sowohl defensiv als auch offensiv geblockt mit Schulter, Hüfte, Oberarm, -schenkel, -körper und dem Allerwertesten. Ladies mit ordentlichem Hüftschwung und prall gefülltem Gesäßdekoltee haben als Blocker definitiv einen Vorteil!

4. Apropos prall. Ob bullig, Gerten schlank, klein, groß, wendig, flink, massiv… für jede Statur und Kondition gibt es die passende Spielerposition!

5. Nichts für Püppis! Obwohl? Zwar ist Zimperlichkeit nichts für ein Rollergirl (siehe 2.). Ein durchdachtes Styling schon: Netzstrumpfhose, shorty Shorts, auffälliges Make-up – Standard! Am besten greift der Look sowohl Teamfarben, als auch den Namen der Spielerin auf.

6. Der Spielername! Ob gänzlich herbeifantasiert – wie der meinige „Cherry Bloodssom“ – oder eine Ableitung aus dem tatsächlichen Namen, für ein Rollergirl ist ihr Nickname fundamental wichtig zur Spieleridentität. Meine Fav’s: Smashley Simpson (Drew Barrymore in Rollergirl!), Bang Bang Betty und Hellga.

7. Doppelleben! Funfact: Viele Rollerderby Spielerinnen arbeiten in erzieherischen oder pflegenden Berufen. Stress- und Aggressionsbewältigung, dieser Sport!

8. Tattoos und Piercings! Sind kein Muss, sieht man dennoch häufig.

9. Nicht ein Hobby, DAS Hobby. Rollerderby konsumiert alle Freizeit. Zwei bis drei mehrstündige Trainingseinheiten wöchentlich sind Pflicht, plus Gast- und Auswärtsspiele. Macht aber nichts! Wen einmal die Derby Begeisterung gepackt hat, möchte die Skates am liebsten gar nicht mehr ausziehen.

10. Powerfood! Auf wessen Ernährungsplan nur dressinglose Salatblätter vorgesehen sind, wird das erste Training nicht überleben. Rollergirls haben Kraft, Muskeln und Ausdauer und beißen gerne mal in einen saftigen Burger – gerne auch vegetarisch.

10. Girls only! Jungs haben auf dem Spielfeld nur als Schiri etwas zu sagen. Tatsächlich haben sich inzwischen auch Männermannschaften gebildet – aber seien wir ehrlich: Wie heiß sind Jungens in engen Shorts?! Wenn der Sport bisher auch eher unbekannt ist, gibt es mit den Berlin Bombshells, Hamburg Harbor Girls und Munich Rolling Rebele heute sowohl in den Metropolen als auch Kleingroßstädten, wie Ludwigsburg, Erfurt und Hannover, Frauenmannschaften.