Business / Wie wird man Modedesignerin?

Viele junge Frauen haben den Traum Modedesignerin zu werden, sind vielleicht zeichnerisch und kreativ begabt und experimentieren mit Mutti’s Nähmaschine. Aber reicht das?

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„Nein! Aber es kann der Beginn einer Laufbahn zur Designerin sein.“, findet Josephine, die 2013 ihr Modelabel Läer Couture gründete. Mit 14 nähte die Hannoveranerin in einem Nähkurs einen Faltenrock, wählte seit dem für freie Hausarbeiten Mode relevante Themen, machte ein Praktikum bei einem Modefotografen und später eine Ausbildung an einer Modefachschule. Heute entwirft die 24-Jährige zeitlos-schlichte Damenmode.

Josephine, meine dringendste Frage zuerst: Ich bin zeichnerisch kein Naturtalent. Bin ich als potenzielle Modedesignerin raus?

Nein. Zeichnen mit und auf jedweden Utensilien und Flächen kann man in der Ausbildung erlernen.

Ich bin ganz Ohr! Welche Fertigkeiten bekommt man außerdem vermittelt?

Von Kreativtechniken über die Skizzierung der Vision, Drapieren an der Schneiderpuppe, Anfertigung des Schnittmusters, Lagebild und Zuschnitt, bis zur Passform und Nähen – von der Idee bis zur fertigen Kollektion, erlernt man jeden Schritt. Für maßstabsgenaue Zeichnungen, das Gradieren der Größen und die Berechnung der Stoffmenge kommt man auch um Mathe nicht herum. Neben dem Handwerklichen spielen auch Betriebswirtschaftslehre und Marketing eine Rolle.

Worauf müssen sich Modedesignstudenten außerdem gefasst machen?

Auf einen hohen Concealer-Verbrauch (lacht)! Modedesign ist eine sehr zeitintensive Ausbildung. Man muss es atmen, leben, wirklich wollen! Hier ist 100 Prozent Hingabe gefragt. Und das auch, wenn es Kritik hagelt. Man wird auf der Modeschule nicht mit Samthandschuhen angefasst und das ist gut so, denn bei den Einkäufern herrscht ein rauer Ton. Das aufwendige Kleid ist nicht mit einem Bibbedi-babbedi-bu wie bei Cinderella einfach hergezaubert! Trotzdem wird deine Kreation vom Kunden als Selbstverständlichkeit gesehen. Da kann es schwerfallen Einwände nicht persönlich zu nehmen, aber genau das ist nötig – ein dickes Fell und Kritikfähigkeit!

Labelgründern in spe kann ich raten, sich frühzeitig über die Finanzierung Gedanken zu machen. Man benötigt ein gutes Netzwerk und ein Startkapital. Empfehlenswert ist, an einem Gründerkurs teilzunehmen. In Deutschland gibt es sehr gute Beratungsstellen, die bei Fragen rund um Businessplan, Finanzierung und Co. Unterstützung anbieten.

Hat man diese Hürden genommen, ist man nach dem Abschluss DesignerIn. Was ist das Tolle daran?

Modedesing ist wie ein 3D-Printer – du kannst alles machen was du willst! Wenn man plötzlich etwas in der Hand hält, das man zuvor im Kopf hatte und nun eins zu eins übersetzt  wurde – das ist einfach das tollste Gefühl!

Für viele Modedesignabsolventinnen und Absolventen, junge Designlabels aber auch  große Konzerne der Bekleidungsindustrie ist Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema. Auch für dich?

Ja. Ich kreiere zeitlose Mode, verwende hochwertige Stoffe aus Naturfasern und lasse in Deutschland produzieren. Aber auch mein Verständnis von Modedesign ist nachhaltig. Für mich ist Design kein saisonaler Trend. Ein Seidenoberteil aus meiner Kollektion trägt sich im Sommer lässig zur Boyfriendjeans zum Grillabend und im Winter zur schicken Hose in die Oper. Ich möchte Lieblingsteile designen, die man vielseitig kombinieren und lange tragen kann.

Nachhaltige Mode ist für dich also kein Trend. Apropos, wie entsteht eigentlich so ein Modetrend?

Achtung Realitätscheck! Trends entstehen ganz unromantisch in Trendbüros auf Basis von Marktforschungsergebnissen und finden sich in sehr teuren Büchern mit Farbkarten, Moodboards, Figuretten und Stoffmustern wieder. Diese „Marktvorgaben“ interpretieren die Desiger dann in ihren Entwürfen. Erklärt vielleicht auch, dass Jogginghosen-Anti Karl Lagerfeld bei der letzten Fashion Week seine Models in ebendieser durch den Chanel-Supermarché schickte.

Sehr bald wird man Läer Couture in deinem Onlineshop kaufen können. Was passiert in den nächsten fünf Jahren?

Designen, designen, designen! Mindestens eine neue Kollektion werde ich entwerfen und produzieren. Ich möchte eine Stammkundenkartei vor Ort aufbauen. Auf meiner Next-Steps-Liste steht aber auch mit internationalen Kunden zu arbeiten. Dafür heißt es auch: Bekanntheit steigern! Wunsch und Wahnsinn wäre auch Läer Couture während der Berlin Fashion Week zu präsentieren!