How to / Smartphone richtig entsorgen

Gebrochenes Display, Wasserschaden, Akku kaputt, keine Soft- oder Hardwareupdates mehr verfügbar oder einfach der Wunsch nach einem neueren Modell… Gründe für ein neues Smartphone finden wir in Deutschland laut Statista rund alle zweieinhalb Jahre. Etwa 124 Millionen Handys liegen hierzulande ungenutzt in Schubladen und Schränken. Doch wohin mit dem „alten“ Gerät?

Etwa 70 Kilogramm natürlicher Ressourcen werden für die Herstellung eines einzelnen Smartphones benötigt (Quelle: Deutsche Umwelthilfe). Verrückt! Und noch verrückter, wenn dieser Aufwand nach nur wenigen Jahren gänzlich verpufft, weil unsere Altgeräte in Kisten und Schubladen versauern.

Auch ich habe noch einige Geräte, die ich aufbewahrt habe und die (inzwischen) nicht mehr funktionieren. Man könnte sie ja noch einmal als Ersatztelefon gebrauchen, dachte ich. Und immerhin war ein Handy und ist ein Smartphone eine kostspielige Anschaffung – diese nur zu entsorgen, fand ich schade. Und wohin überhaupt? Der Restmüll als Entsorgungsort ist sowohl sinnlos, als auch verboten! Doch über welche Wege kann ich ein ungenutztes oder gar kaputtes Gerät sinnvoll entsorgen?

1) Verkaufen & Spenden

Insbesondere Geräte, für die noch Software-Updates erhältlich sind und die voll funktionsfähig und gut erhalten sind, kann man mitunter verkaufen. Auch spenden ist eine Möglichkeit. Zum Beispiel an den Verein We4Kids, der Kinder aus sozial benachteiligten Familien mit „Handys für den Notfall“ ausstattet: Der Verein sammelt funktionierende Handys und Smartphones, setzt eine Prepaidkarte ein und gibt diese an bedürftige Kinder weiter.

2) Rückgabe an Händler

Mit Einschränkungen sind bereits seit 2016 stationäre und online Händler zur Rücknahme von Altgeräten und fachgerechter Entsorgung gesetzlich verpflichtet. Grundsätzlich zeugen also Rücknahmeprogramme nicht von besonderem Öko-Gewissen, sondern nur von der Befolgung von gesetzlichen Vorschriften. Zur Erstattung von Versandkosten besteht jedoch keine Pflicht. Sinnvoll ist, wenn Unternehmen über das gesetzliche Mindestmaß hinaus gehen, und die Wiedernutzung und Recycling von Altgeräten fördern (siehe 2).

3) Reuse & Recycling über Umweltschutzorganisationen

Umweltschutzorganisation, wie der NABU, arbeiten mit Unternehmen zusammen, die die alten Telefone aufbereiten oder die verbauten Rohstoffe recyclen. So kooperieren beispielsweise NABU und Telefónica Deutschland Group zusammen. Seit 2011 ist das Mobilfunkunternehmen Partner des NABU. Durch die Handysammlung erhält der NABU einen jährlichen Zuschuss von Telefónica. Dieser jährliche Betrag erhöht sich, wenn beim gemeinnützigen Recyclingpartner AfB (Arbeit für Menschen mit Behinderung) zunehmend mehr Smartpones wiederaufbereitet und verkauft werden. Der NABU profitiert dann von den Umsatzerlösen von AfB. Das Geld geht in den NABU-Insektenschutzfonds. Abgegeben werden können Altgeräte über die NABU Sammelstellen, im nächsten O2 Shop oder per kostenfreiem DHL Versand direkt an AfB. Mehr zum Projekt hier. Nicht nur der NABU sammelt Handys und Smartphones um Umweltschutzprojekte zu finanzieren: Die Deutsche Umwelthilfe sammelt mit der Mobile-Box für Artenschutzprojekte und bei Pro Wildlife kommen Erlöse aus einem solchen Recyclingprogramm dem Affenschutz zu Gute.

Viele große Händler, wie auch die Telekom, arbeiten mit diesem Modell und werden auf diesem Wege auch ihrer unternehmerischen Verantwortung gerecht.

4) Payback bei Neukauf

Manche Anbieter von Smartphones und Tablets bieten einen Tausch an: Für das alte Smartphone gibt es einen Rabatt auf den Neukauf. Bei Apple beispielsweise berechnet sich die Höhe des Rabatts über das Modell, den Speicher und die Funktionsfähigkeit des Geräts. „Recycle dein altes Handy und erhalte 40€ Rabatt auf den Kauf deines Fairphone 3“ wirbt zum Beispiel Fairphone und gewährt auch für eingesendete Nicht-Fairphones 20 Euro Discount.  MediaMarkt hat seit September 2019 testweise in zehn Städten eine Art Pfandautomaten für Handys des US-amerikanischen Anbieters ecoATM aufgestellt. Dort kann der Wert eines alten Smartphones bewertet und als Gutschein für den Elektronikmarkt gleich mitgenommen werden.

5) Adé über kommunale Abfallentsorgung

„Wer sich nicht die Mühe machen möchte, eine Sammelorganisation zu suchen oder keine Sammelstelle in der Nähe hat, kann sein Handy wie alle anderen Elektrogeräte auch am Recyclinghof abgeben“, empfiehlt die Verbraucherzentrale NRW.

Wrap-up: Was noch?

Die Grünen wollen für mehr Recycling ein Pfand von 25 Euro auf Handy und Tablets einführen und fordern auf EU-Ebene Quoten für den Einsatz von recycelten Kunststoffen und Metallen in neuen Elektro- und Elektronikgeräten (Quelle: zeit.de). Eine Ausweitung der EU Ökodesign-Richtlinie auf Smartphones und Tablets fordert auch die Deutsche Umwelthilfe. Unter dieser Richtlinie sollen Hersteller zum Beispiel im Produktplanungsprozess die Haltbarkeit, die Reparaturfähigkeit, die Recyclingfähigkeit, eine ökologische Materialauswahl und die Energieeffizienz ihrer Produkte mitberücksichtigen.

Ein Weg, den ich noch gar nicht beschrieben habe, der aber für kaputte Smartphones immer vor dem Neu- und auch refurbished Kauf bedacht werden sollte: Ist das Gerät reparabel. Doch gerade für Smartphones, die älter als drei Jahre alt sind, kommt ein professioneller Display-Tausch einem wirtschaftlichen Totalschaden gleich. Was man dann tuen kann? Sich mit Hilfe von Tutorials an einer Reparatur versuchen oder an einem Repair-Café in deiner Nähe teilnehmen und helfen lassen.