How to / Nachhaltiger TK-Fisch konsumieren – Anzeige

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Woher kommt der Alaska-Seelachs, den die Deutschen am liebsten als Fischstäbchen oder „Schlemmerfilet“ essen? Welche Unterschiede gibt es in der Qualität des weißen Fischfilets nach Fangregion und wie können wir nachhaltiger TK-Fisch konsumieren?

Fischstäbchen mit Kartoffelbrei und Kräuterremouladensauce war eines meiner Lieblingsgerichte als Kind. Später freute ich mich auf das wöchentliche Schlemmerfiletessen am Samstag nach dem Wocheneinkauf mit meinen Eltern. Während ich Fisch generell heute lieber roh oder mit selbstgemachter Marinade oder Panade esse, sind die panierten Filetstücke in handlicher Snackform oder aus der Aluminiumassiette für die Deutschen nach wie vor erste Wahl bei der Entscheidung für Fisch auf dem Tisch. Zwei Drittel (64 Prozent) der deutschen Fischkonsumenten haben in den letzten zwölf Monaten Fischstäbchen gekauft. Und neben Pizza sind sie die meistverkauften Waren aus der Tiefkühltruhe (Welt, 2016).

Hergestellt werden sie aus dem weißen Filet des Alaska-Seelachs, der mit einem Anteil von 18,3 Prozent des Jahresverbrauchs einer der am häufigsten verzehrten Fische in Deutschland ist (FIZ, 2016). Ein ziemlich großer Fisch im deutschen Lebensmittelmarkt könnte man also sagen und damit ein Grund für mich, dem Alaska-Seelachs meine Aufmerksamkeit zu widmen. Viel zu selten stellen sich Konsumenten nämlich die Frage: Woher kommt das weiße Filet? Welche Unterschiede gibt es in der Qualität und Bemühungen um Nachhaltigkeit?

Gar nicht lachs, der Alaska-Seelachs!

  • Fischstäbchen und Schlemmerfilets werden zumeist aus Alaska-Seelachsfilet hergestellt. Pazifischer Pollack, wie man auch sagt, ist im Nordpazifik zu Hause und gehört nicht zu den Lachsen, sondern zu der Familie der Dorsche.
  • Als Alaska-Seelachsfilet wird aber nicht nur Alaska-Seelachs aus den Meeren vor Alaska und der östlichen Beeringsee (FAO 67) deklariert, sondern auch Pollack aus dem angrenzenden Fanggebiet in Russland (FAO 61). Etwa 40 Prozent des in Deutschland verarbeiteten Alaska-Seelachses stammen aus dem Fischfang Alaskas, der andere Teil aus FAO 61. Durch die Welternährungsorganisation (FAO) sind die Weltmeere im Übrigen in 19 Fischfanggebiete eingeteilt.

 

Echt Alaska – der Alaska-seelachs Aus FAO 67

Nach diesem Crashkurs in Sachen Alaska-Seelachs wollte ich mehr wissen, über den Fisch, der zum Beispiel so wie auf den Bildern kredenzt, auch auf meinem Tisch landet. Um ehrlich zu sein hatte ich mich bisher wenig zum nachhaltigen Fischkauf informiert. Im Supermarkt achtete ich ausschließlich auf das Marine Stewardship Council Siegel. Und so landete ganz automatisch vorwiegend der Alaska-Seelachs aus FAO 67 – sprich Alaska – in meinem Einkaufskorb. Denn: Die Alaska-Seelachs-Fischereien aus der östlichen Beringsee und dem Golf von Alaska sind seit 2005 nach dem Standard des MSC zertifiziert.

Dass ich mit Alaska-Seelachs aus FAO 67 von Fischereien der Genuine Alaska Pollock Producers (GAPP)* tatsächlich die beste Wahl bei tiefgekühlten Alaska-Seelachs Produkten getroffen habe, habe ich erst nach meiner Recherche herausgefunden. Und hier kommt, warum:

1) Klima: Alaska-Seelachs Filet aus GAPP Fischereien werden vom Endverbraucher das erste Mal aufgetaut. Denn: Der Alaska-Seelachs aus FAO 67 (92 %) wird nach dem Fang zeitnah filetiert und bei minus 18 Grad Celsius einmalig zu Blöcken gefroren. Danach geht es z.B. nach Bremerhaven, der Hochburg der Fischverarbeitung in Deutschland. Für Fischstäbchen oder „Schlemmerfilets“ werden die tiefgefrorenen Blöcke in Form gesägt und mit einer Panade oder einem Topping versehen. Ein Kilo tiefgefrorener Alaska-Seelachs aus Alaska erreicht Europa so mit einem 0,59 Kilogramm schweren CO2 Rucksack. Alaska-Seelachs aus dem russischen Fanggebiet hingegen wird nur zu 16 Prozent zwischen Fang und dem Einkauf im Laden „single-frozen“. Vielmehr wird der Fisch nach dem Fang eingefroren und nimmt dann einen Umweg über China, wo er filetiert und wieder gefroren wird. Double-frozen also. Schließlich erreicht er Europa mit doppelt so vielen Emissionen (vgl. Fulton, 2010:55). Und im Lebensmittelvergleich? Die Produktion eines Kilogramm Rindfleischs verursache hingegen mindestens 11,3 Kilogramm CO2 (GAPP, 2018). Der Klimarechner des ifeu Instituts, mit dem ihr Lebensmittel nach ihrer Umweltauswirkung des gesamten Lebenswegs (also Produktion, Verarbeitung, Verpackung, Transport und Lagerung) gegenüberstellen könnt, kommt zu vergleichbaren Werten. 

2) Qualität: Ein weiterer unschöner Effekt des zweimaligen Einfrierens sei ein Qualitätsverlust, so GAPP. „Double-frozen“ mache den Fisch leicht matschig; Feuchtigkeit und Geschmack gingen verloren. „Single-frozen“ hingegen erhalte Textur, Farbe, Geruch und Feuchtigkeit.

3) Soziales: „Seit 1998 sind die Seelachsfischer von Alaska keine Konkurrenten mehr, sondern Kollegen. Der American Fisheries Act hat so gut wie jeden Wettbewerb zwischen ihnen ausgeschaltet. Schließlich sollte der Alaska-Seelachs kein zweiter Kabeljau werden.“, schrieb Die Zeit 2004 in einem sehr interessanten Beitrag und fasst damit den Umstand zusammen, dass Alaska-Seelachs-Fischereien in Fischereikooperativen arbeiten. Deren teilnehmenden Mitgliedern wird ein fester Prozentsatz an der Gesamtfangmenge gewährt und sie dürfen diese Menge in ihrem eigenen Tempo fangen. Laut GAPP heißt das: „Durch diese festen Anteile an der Fangquote müssen die Fischer nicht mehr hektisch so viel Fisch wie möglich in kurzer Zeit fangen („race for the fish“), sondern können sich vollständig auf ihren Anteil konzentrieren. Dadurch können die Fischer sicherer arbeiten und in einer höheren Qualität produzieren.“

4) Keine Abfälle: Nichts verschwenden lautet die Devise, nach der weitere Produkte aus den Nicht-Filets entstehen, wie Fischöl und Fischmehl. Die Fischhaut bietet außerdem Potenziale für die medizinische Anwendung in der Wundheilung.

5) Fangquoten:  Von dem auf US-Bundesebene einberufenen North Pacific Fishery Management Council, einem Rat für Fischereimanagement, werden jährlich Fanggrenzen gesetzt. Diese beschreiben die aus biologischer Sicht akzeptable Fangmenge. Von ihr leitet sich die „Total Allowable Catch“ (TAC) Quote ab. „Die Fangquoten werden meist unterhalb der wissenschaftlichen Empfehlungen festgelegt, jedoch nie darüber.“, so GAPP. Jedes Schiff der Alaska-Seelachs-Fischerei in Alaska sowie jede Anlage, die Alaska-Seelachs verarbeitet, wird mindestens durch einen von einer Bundesbehörden – der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) – zugelassenen Beobachter oder Beobachterin begleitet. Diese analysieren und dokumentieren den Fang, führen Forschungsarbeiten durch und geben Daten an die Bundesregierung der Vereinigten Staaten weiter.

6) Artenschutz und Beifang: Auf den Aleuten leben Steller Seelöwen, deren Bestände streng geschützt sind. Diese Säugetiere ernähren sich von Alaska-Seelachs. Damit es keine Nahrungskonkurrenz gibt, sind spezielle Schutzgebiete ausgewiesen worden. Die Fischerei mit semi-pelagischen (freischwimmenden) Schleppnetzen ist selektiv – nur ausgewachsene Tiere kommen ins Netz. Im Verhältnis zur Fangmenge ist die Beifangquote mit einem Prozent gering. 50 Prozent des Beifangs werden zudem verarbeitet

Nachhaltiger TK-Fisch essen in 3 schritten

Single-Frozen!

Frosta beispielsweise hat 2015 komplett auf Seefrost Ware umgestellt und unterstützt so eine CO2 reduzierte Produktion; double-frozen Produkte wurden aus dem Sortiment gekegelt. Bei Alaska-Seelachs aus FAO 67 kann man sich zu 92 % sicher sein, dass der Fisch nur einmal gefroren wurde. Der Erderwärmung entgegen zu wirken, sollte Fischessern besonders am Herzen liegen. Diese hat nämlich wiederum Einfluss auf die Fischbestände. Ob diese gut oder schlecht sind, bestimmen Umwelteinflüsse. Die Meerestemperatur ist für die Bestandsentwicklung ein wichtiger Einflussfaktor (vgl. Thünen Institut)!

3) Zertifikate bevorzugen!

Zertifikate helfen uns bessere – im Sinne von Qualität, Fairness und/oder Umweltschutz – Konsumentscheidungen zu treffen, in dem sie komplexe Prozesse- und Lieferketten nach standardisierten Kriterien bewerten und mit einem Label ein Gesamturteil besiegeln. Für Fisch gibt es mit dem Marine Stewardship Council ein etabliertes Siegel, welches 28 Leistungsindikatoren entlang dreier Prinzipien auswertet: 1) gesunde Größe des Fischbestandes 2) Erhalt des Ökosystems 3) effektives Fischereimanagement. Dieses Label bietet einen Anhaltspunkt für eine nachhaltigere Wahl, sollte jedoch nicht als einziger Faktor in der persönlichen Bewertung beim Einkauf von Wildfisch herangezogen werden. Greenpeace (2017) spricht aktuell keine uneingeschränkte Empfehlung für Siegel nachhaltiger Fischprodukte aus und benennt eine Reihe fragwürdiger Zertifizierungen von Fischereien durch den MSC. Auch der WWF, auf dessen gemeinsame Initiative mit Unilever 1997 der MSC gegründet wurde, drängt auf Reformen der seit 1999 unabhängigen, gemeinnützigen und nicht-staatlichen Organisation bzw. deren Bewertung.

4) Fanggebiet und -methode beachten!

Auf der Verpackung solltet ihr nicht nur nach Angaben zur Fischart Ausschau halten, sondern auch zur Herkunft (FAO) und Fangmethode (zu letzterem Lesetipp hier). Viele Fischarten sind in manchen Gebieten überfischt, in anderen nicht. Eine Orientierungshilfe geben die Online-Einkaufsratgeber von Greenpeace und dem WWF. Aktuellere Auskünfte zu Fischbeständen findet ihr zum Beispiel beim Thünen Institut.

Wer jedoch wirklich informierte Entscheidungen treffen möchte, sollte auch nicht versäumen beim Produzenten (oder übergeordnet deren Verbänden) nachzufragen. So erfährt man bei GAPP, dass die Wissenschaftler des North Pacific Fishery Management Council seit 2016 ein noch genaueres Modell nutzen, um Einflüsse von Fangmethoden auf Fischbestände zu evaluieren. Heraus kommt, dass der Einfluss semi-pelagischer Schleppnetze weniger als minimal und nicht bleibend sei:

„[…] federal scientists are now able to evaluate the impacts of fishing gear with much greater precision than in the past. […] while there are impacts of fishing gear, the scientists believe that the effects are less than minimal and temporary, so the habitat is able to recover and support healthy fish stocks.“

Greenpeace attestiert den MSC-zertifizierten Fischereien in FAO 67, dass der Einsatz von freischwimmenden (pelagischen) Schleppnetzen ein Grund dafür sei, dass sich die Fischbestände direkt vor der Küste Alaskas erholt und verbessert haben (vgl. Welt, Juli 2016). Mit dieser Begründung zeichnet beispielsweise auch Rewe sein Beste Wahl Alaska Seelachsfilethttp://www.proplanet-label.com/produkte/food/fisch/alaska-seelachs zusätzlich mit dem unternehmenseigenen Label Pro Planet aus.

Die Kenntnis verschiedener Fangmethoden und deren Umwelteinfluss ist ebenfalls hilfreich. Laut Greenpeace werden seitens MSC-zertifizierter Fischereien in FAO 67 freischwimmende (semi-pelagische) Schleppnetze eingesetzt, die „den Meeresboden daher nicht derart umpflügen und beschädigen, wie es die Ausrüstungen etwa der russischen Fischtrawler machen. Das sei ein Grund dafür, dass sich die Fischbestände direkt vor der Küste Alaskas erholt und verbessert hätten“ (siehe Welt Beitrag von Juli 2016). Mit dieser Begründung zeichnet beispielsweise auch Rewe sein Beste Wahl Alaska Seelachsfilet zusätzlich mit dem unternehmenseigenen Label Pro Planet aus.

 

Rezept für 4 Personen

Semmelbrösel (80 g), Kräuter der Provence (1 EL) und Salz in einer Schüssel mischen. Senf (1 EL) und Butter (80 g) zugeben, verkneten. Fisch (1 bis 2 Filets pro Person) trocken tupfen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Die Bröselbutter gleichmäßig auf den Filets verteilen und im vorgeheizten Backofen bei 175 °C 16 bis 18 Minuten backen. Dazu wird Gurkensalat serviert.

Genuine Alaska Pollock Producers ist der Verband der Alaska-Seelachs Fischereien und Produzenten in Alaska. GAPP hat diesen Beitrag, in dem viel Recherche und Arbeit steckt, finanziell, mit Expertise und Geduld (bis alle meine Fragen geklärt waren) unterstützt.