Thoughts / Yes judgement zur Fashion Revolution Week

Der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza jährt sich zum sechsten Mal. Westliche Geiz ist geil Mentalität und Profitgier verursachten das Unglück. Heute geben noch immer zu viele Menschen zu wenige Fucks.

No judgement? Ich bin hier eigentlich ziemlich moderat unterwegs. Green, fair und FUN ist mein Motto. Aber bei einem Thema bin ich dann doch nicht mehr so verständnisvoll für Ignoranz und Rückschritte: Mode*.

Denn: Jemand bezahlt den Preis für das 5 Euro-Shirt oder die 20 Euro-Jeans. Diejenigen, die auf ihren Pestizid belasteten Feldern Baumwolle anbauen. Diejenigen, die Knie tief in Chemie stehen, um Stoffe zu färben. Dienjenigen, die in baufälligen Fabrikgebäuden Hosen, Shirts & Co zusammennähen und jederzeit Gefahr laufen unter Schutt und Asche von einstürzenden Gebäuden begraben zu werden. So geschehen vor sechs Jahren bei der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesh. 1.138 Näherinnen und Näher verloren ihr Leben, viele weitere ihre Freunde und Familie. 2.500 Menschen wurden verletzt.

Teurer Preis, faire Produktion?

Nicht immer kennzeichnet “unethisch” produzierte Mode der Preis. Auch teure Labels maximieren Profit auf Kosten von MENSCHENLEBEN. Aber, wenn nicht am Preis, wie erkennt man ethische Mode dann? Anhand von Zertifizierungen, Selbstverpflichtungen zu prüfbaren Standards und Transparenz über das unternehmerische Handeln.

„Aber die wenigsten Labels erzählen und zeigen, wie sie produzieren. Wie soll ich’s dann wissen?“

Wer, wie, was, wieso, weshalb warum, wer nicht fragt bleibt dumm. Den Slogan der Sesamstraße klingt vielen von uns noch im Erwachsenenalter in den Ohren und trifft die Intention der Fashion Revolution Week: Wenn Marken und Unternehmen nicht von sich aus darüber reden, wo ihre Produkte herkommt, fragen wir sie doch einfach. Öffentlich. Die Idee: Wenn häufig genug nachgefragt wird, erhalten wir vielleicht Antwort. Und wenn diese nicht vorzeigbar ist, geraten Unternehmen in Handlungsnot und dann wird sich etwas ändern. Natürlich dürfen wir uns dabei nicht von grün gewaschenen Plattitüden und Pilotprojektchen täuschen lassen.

Nicht nur Milchglas. Echte Transparenz ist das Ziel! Denn nur so können Unternehmen für Menschenrechtsverletzungen und Umweltsünden verantwortlich gemacht und entsprechend bestraft werden. Durch Boykott seitens Konsument*innen. Aber auch durch Haftung.

Moment mal, das geht ja noch gar nicht so recht. Corporate Social Responsibility wird hierzulande als Kür behandelt. Selbstverpflichtung hier. Folgenlosigkeit da, wenn noble Ziele dann eben doch nicht eingehalten werden (und es jemand bemerkt).

Lisa Jaspers vom Mode und Lifestyle-Label Folkdays möchte das ändern und fordert mit einer Petition:

„Gemeinsam rufen wir Angela Merkel und die zuständigen Ministerien dazu auf, endlich Nägel mit Köpfen zu machen. Deutschland darf sich nicht länger hinter unverbindlichen Textilbündnissen und Aktionsplänen verstecken, sondern muss Gesetze schaffen.“

Unternehmerische Verantwortung per Gesetz? Yes judgement! Unterstützt die Petition mit eurer Stimme jetzt hier.

*Ich sage bewusst Mode statt Kleidung. Denn wer von Mode spricht, hat eine Wahl. Die Wahl, das schickere Kleidungsstück zu kaufen. Die Wahl, das bessere Kleidungsstück zu kaufen. Das, für das andere Menschen nicht ihre Gesundheit oder gar Leben lassen müssen. Das, für das nicht nur diejenigen fair (über)bezahlt werden, die managen und vermarkten, sondern auch diejenigen, die die Rohstoffe produzieren, Stoffe weben und Kleidungsstücke nähen.