Berlin Fashion Week / Trends HW15

MBFW_Teaser

Diese Sache mit der Berlin Fashion Week… Der große Modezirkus übt immense Faszination aus. Nicht nur auf Einkäufer und Modejournalisten reichweitenstarker Medien – die eigentlichen Zielgruppen der Modewochen. Auch manch Frau und Herr Otto Normal wären gern zugegen – so wie wir. Dabei halten wir weder nach neuen Kollektionen für unser Sortiment Ausschau, noch haben wir aufwändige Modestrecken Monate vor dem Erscheinungstermin zu planen. Was also wollen eigentlich die meisten der Blogger dort, die ihre Outfitposts meist an einem Samstag im Park oder Café um die Ecke shooten oder professionellsten Falls shooten lassen? Netzwerken ist wohl einer der wichtigsten Gründe, denn zur Fashion Week versammelt sich die gesamte Modebranche – von A bis Z wichtig – in der Hauptstadt. DIE Gelegenheit für Blogger mit Hinz und Kunz der Modeszene anzubandeln, Kooperationen zu vereinbaren und sich mit anderen Bloggern zu vernetzten. Außerdem: Sich einen Namen machen und auf das eigene Medium aufmerksam machen, mit Glück von einem Streetstyle-Fotografen mit dem gelungenen und von langer Hand geplanten Outfit abgelichtet zu werden – die Fashion Week ist für Blogger eine großangelegte Werbetour. Natürlich interessiert auch, was eigentlich auf dem Runway und Backstage passiert, denn mit den Laufsteg- und Stylingtrends wird in der übernächsten Saison gearbeitet. Schaulust und wohl auch ein wenig Lust am Schaulaufen nähren den Wunsch dabei zu sein außerdem.

Warum wir also zu den letzten Schauen nicht vor Ort waren? Weil Fashion Week nicht nur Parties, Open Bar und Goodie Bags heißt, sondern für einen Hobbyblogger auch Reise- und Hotelkosten, Urlaubstage und in meinem Fall Kinderbetreuungsengpässe. Und dann ist da noch der Akkreditierungsstress. Denn aus eigener Praktikumserfahrung in einer PR-Agentur weiß ich: Von uns professionellen Zum-Spaß-Bloggern gibt es viele und alle wollen sie dabei sein. Bei hoher Nachfrage und begrenzten Steh- und Sitzplatzkontingenten während den Shows gilt es sich gut zu stellen mit den Repräsentanten der Designer, sich wichtig zu machen und manchmal auch zu betteln. Und das ist anstrengend. So setzte ich mich zu dieser frostigen Fashion Week lieber mit einem Kaffee und in Jogginghose vor mein MacBook und verfolgte via MBFW Live-Stream den Zirkus.

Bleibt die Frage, wen nun aber die Berichterstattung über Fashion Week Ereignisse eigentlich interessiert? Frau und Herr Otto Normal freuen sich gerade auf den Frühling und Sommer, auf luftig-leichte Stoffe und Kleider, die für mehr als 10 Grad konzipiert sind. Die nächste Herbst/Winter-Mode ist gedanklich in weiter Ferne und hängt ohnehin nicht vor September in den Läden. Für die meisten interferieren die gezeigten Designerklamotten ohnehin mit dem Bankkonto – selbst dem Dispo.

Warum es sich lohnt einen Blick auf die Laufstege zu werfen? Weil Designerkollektionen Ton und Trend angebend sind – auch für die High Street Labels, die es in unsere Kleiderschränke schaffen. Weil man ruhig mal träumen und sich vielleicht ein Teil ausschauen darf, für das zu sparen sich das nächste halbe Jahr lohnt. Und weil mit der Fashion Week meist auch der Schlussverkauf beginnt und wie das mit der Mode so ist: Alles kommt wieder, manches bleibt. Im Sale-Wahnsinn lässt sich mit Kennerblick durchaus das ein und andere Trendteil für die nächste Saison shoppen. Auch verraten die Laufstege, welche Kleidungsstücke bei den ersten Frühjahrsblühern nicht auf Mädelsflomarkt, Kleiderkreisel und Co wandern müssen, sondern ruhig für den nächsten Winter eingemottet werden können. In dieser Saison zum Beispiel der Camel Coat. Ein langes Modell gesichtet bei Glaw, die rockige Version bei Rebekka Ruetz, mit klassischem Schnitt bei Perret Schaad, als Fake Fur Fellmonster und ein andern Mal mit Oversize-Schnitt bei Malaikaraiss.

Glaw Show - Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Autumn/Winter 2015/16

Weiter geht’s mit rot, rot, rot. In fast jeder Kollektion fanden sich wenigsten zwei bis drei Teile in einem leuchtenden Ton. Meine Favoriten: Der Flauschpullover von Marina Hörmanseder, in deren Designs sich in dieser Saison gefühlt alle Blogger schockverliebt haben. Außerdem das Kleid mit asymmetrischem Saum von Malaikaraiss.

Marina Hoermanseder Show - Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Autumn/Winter 2015/16

Dann sind da noch die Winterpastelltöne. Wann genau Bonbonfarben zum Must-have sowohl in jeder Sommer- (gelbstichig-warm) als auch Winterkollektionen (blaustichig-kalt) wurden – keine Ahnung. Jedenfalls ist der Trend offensichtlich gekommen um zu bleiben. Ich jedenfalls freue mich besonders auf das Alt-Fliederlila – gesehen bei Dimitri als Cape und Isabell de Hillerin in Mantel-, Kleid- und Jacketform. Meinen liebsten Pastellook präsentierte Barre Noire mit einem schlicht-geschnittenen, langen Kleid und Beinschlitz. Bestechend ist aber nicht nur die Farbe, sondern auch ein Detail, welches mir in ähnlicher Form auch bei anderen Kollektionen auffiel: Das halbverdeckte Gürteletwas. Hat das einen Namen, Timm Süßbrich?!

BarreNoire

Ja, ich will. Wenn die Heiratsquote ab Herbst in die Höhe schnellt, könnte es an der Kollektion von Kaviar Gauche liegen. Jedes Kleid ein Traum und dabei so weit entfernt von der Standardbrautmode mit trägerloser Korsage, Wallawalla-Rock und Strassbesatz (urgh!). Tragen kann und sollte die Kleider jedoch nicht jede: Viel Transparenz und Minischnitt fordern ein diszipliniertes Training vor dem großen Tag. Vollkommen wert!

Auch schön: Die StudioPH30 Präsentation von Studierenden der HTW Berlin, die den Hashtag #allwhiteeverything zu recht verdient hätte. Die Outfits aus ungefärbtem, unbehandeltem, hochwertig verarbeitetem, unter fairen Bedingungen hergestelltem, ethisch korrektem Baumwollstoff zeigen, dass Nachhaltigkeit und authentisches, modernes Design keine Antagonisten sind. Leider sind die Bombenlooks nicht käuflich #warumdennbloß.

Kaviar Gauche Show - Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Autumn/Winter 2015/16

Mehr Fashion Week Reporting? Auf Hannover Lifestyle Mag – dem Blog der Ernst-August-Galerie in Hannover – lest ihr mehr von mir zu den Laufstegtrends.

Bilder: Mercedes-Benz Fashion Week Berlin, Malaikaraiss, Bobby Kolade, Dimitri